{"id":142,"date":"2025-11-28T16:12:53","date_gmt":"2025-11-28T16:12:53","guid":{"rendered":"https:\/\/stadt.noblogs.org\/?p=142"},"modified":"2025-12-02T17:22:00","modified_gmt":"2025-12-02T17:22:00","slug":"das-maedchen-das-durch-die-zeit-sprang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadt.noblogs.org\/?p=142","title":{"rendered":"Das M\u00e4dchen, das durch die Zeit sprang"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Frau Lorenz und Herr Lorenz sind vom Lehrer ihrer zw\u00f6lf j\u00e4hrigen Tochter Nina in die Schule bestellt worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr Mahner, ein junger engagierter Lehrer hatte ihnen gesagt, dass er gerne mit ihnen \u00fcberlegen wollte wie Nina sich besser auf die Schule fokussieren k\u00f6nnte. Vom Lehrer bestellt zu werden ist immer eine \u00e4rgerliche Angelegenheit egal, ob er das gut meint oder nicht. Man wei\u00df nie genau was er bem\u00e4ngeln wird, denn er ja Leute nicht bestellt um ausschlie\u00dflich ihre Kinder zu loben. Ist Schule nicht die Kunst M\u00e4ngel zu entdecken? Und man wei\u00df auch nicht, ob der Lehrer erz\u00e4hlen wird, dass das eigene Fleisch und Blut so verdorben sei, dass es nur mit \u00e4u\u00dferter Anstrengung gerettet werden kann und man hat ja sonst genug Sorgen. Das dachten auf jeden Fall Ninas Eltern auf den Weg zur Schule. Nina, begleitete sie, und erz\u00e4hlte von der letzten Klassenarbeit in Physik, dass es ihr gefiel Lichtph\u00e4nomenen zu beschreiben, und es sei nicht ihre Schuld, dass sie keine eins bekommen hatte. Die Eltern h\u00f6rten freilich nicht zu.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>In der Schule angekommen, fragten sie Nina, ob sie mitkommen wolle oder lieber im Hof bliebe. Da sie nichts Besonderes mit dem Lehrer vorhatte, zog sie den Hof vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum hatten Frau Lorenz und Herr Lorenz Platz im Klassenzimmer angenommen, fing der Lehrer Mahner an: \u201eEs freut mich, dass sie beide gekommen sind, ich m\u00f6chte gerne meine Sch\u00fcler besser kennenlernen und dabei hilft es, die Familie als Ganze kennenzulernen.\u201c Frau Lorenz hatte schon Fluchtgedanken. \u201eWarum m\u00fcssen sich Lehrer heutzutage in das Privatleben der Leute einmischen?\u201c dachte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Lehrer fuhr fort: \u201eNina kommt gut mit dem Schulstoff klar, insbesondere in Geschichte und Literatur und vor allem ist sie sehr Kreativ. Sie beschwert sich aber oft, dass sie m\u00fcde und dass alles zu viel sei, sie klagt vor Kopfschmerzen. Wissen sie woher das kommen k\u00f6nnte?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas so viel hei\u00dft, ich frage indirekt und unschuldig, ob ihr Schuld seid.\u201c Dachte Frau Lorenz. Sie hielt es f\u00fcr Weise zu schweigen und einen erstaunten Gesichtsausdruck zu nehmen. Herr Lorenz sagte, dass Nina m\u00f6glicherweise abends lange im Bett las und, dass sie ab heute darauf achten w\u00fcrden, dass sie wirklich zur Bestzeit das Licht ausmacht. Als guter B\u00fcrokrat wusste er, Aktivit\u00e4t vorzut\u00e4uschen ist das sicherste Man\u00f6ver.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrenddessen im Hof, legte Nina ihrem Springseil auf den Asphalt und sa\u00df daneben ersch\u00f6pft. \u201eAls ob es einfach w\u00e4re.\u201c dachte sie. \u201eKaum springe ich, lande ich wo Neuem und es sieht auch noch total anders aus. Mal bin ich am Strand, mal in einer gro\u00dfen Stadt, mal ist es Nachts, mal ist es Sommer, mal Winter und es schneit, sogar am Strand! Und vor allem flitze ich durch die Geschichte. Was war das f\u00fcr eine Zeit, wo ich gerade war, h\u00e4tte das Mittelalter sein k\u00f6nnen, oder eine nicht existierende Zeit mit Leuten, die gerne wie verr\u00fcckt Karneval feiern. Das ich kaputt bin ist nicht verwunderlich, ist es ein Grund die Eltern zu bestellen? Ich w\u00fcrde gerne die Lehrer sehen, wenn die f\u00fcnf Mal am Tag, sagen wir mal, ins Flugzeug steigen m\u00fcssten. Und ich w\u00fcrde sch\u00f6n lachen, wenn sie nach einem Flug das einen Bruchteilsekunde dauert, pl\u00f6tzlich eine Hexenverfolgung sehen oder gegen\u00fcber ein paar Neandertaler stehen w\u00fcrden, egal ob diese nett sind oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> Sie \u00fcberlegte wie sie aus dieser permanenten ersch\u00f6pfenden Situation herauskommen k\u00f6nnte. Gar nicht mehr springen, immer vorsichtig laufen w\u00e4re eine M\u00f6glichkeit, aber wie langweilig! immer die gleichen Stra\u00dfen, die gleichen Menschen mit den gleichen Problemen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Sie legte ihren Kopf in ihren H\u00e4nden und schaute Gedanken verloren vor sich hin. Ihre Eltern kamen gerade aus dem Schulgeb\u00e4ude raus.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOb die nicht ab und zu springen?\u201c dachte Nina. \u201eNicht mal ein wenig? M\u00fcde sehen sie auf jeden Fall aus\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNa gut,\u201c sagte sie leise zu sich selbst, \u201ewenn ich erwachsen bin, werde ich weniger springen auch weniger durch die Zeit und m\u00fcde werde ich trotzdem sein aber wer wei\u00df vielleicht kann ich bis dahin so viel trainieren, dass mir der Kopf nicht mehr so dreht, und dann kann ich meine Lieblingszeit ausw\u00e4hlen, Sommer z. B. am Anfang des 20. Jahrhunderts, und vielleicht kann ich Reiseleiterin werden und Sprungtraining anbieten. Und bei diesem Gedanken war sie schon mal nicht durch die Zeit gesprungen, die Zeit war durch sie gegangen und alles deutete darauf hinaus, dass sie bald weniger durch die Zeiten hin und her wandern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frau Lorenz und Herr Lorenz sind vom Lehrer ihrer zw\u00f6lf j\u00e4hrigen Tochter Nina in die Schule bestellt worden. Herr Mahner, ein junger engagierter Lehrer hatte ihnen gesagt, dass er gerne mit ihnen \u00fcberlegen wollte wie Nina sich besser auf die Schule fokussieren k\u00f6nnte. 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