{"id":47,"date":"2025-11-16T15:36:39","date_gmt":"2025-11-16T15:36:39","guid":{"rendered":"https:\/\/stadt.noblogs.org\/?p=47"},"modified":"2025-11-27T14:19:11","modified_gmt":"2025-11-27T14:19:11","slug":"umgangsformen-in-konfliktsituationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadt.noblogs.org\/?p=47","title":{"rendered":"Umgangsformen in Konfliktsituationen"},"content":{"rendered":"\n<p>Aus dem Jahr 2019<\/p>\n\n\n\n<p>Berlin ist ruppig. Zum Beispiel, gestern Nacht im Caf\u00e9 Poznan. Das Caf\u00e9 Poznan ist \u00fcbrigens eine kitschige Kneipe auf der Karl-Marx-Allee, die schon bevor das Wort Hipster auf den europ\u00e4ischen Kontinent gelandet ist, aus unerkl\u00e4rlichen Gr\u00fcnden von coolen Leuten besucht wurde.<br>Ich sa\u00df also mit Freund*innen im Caf\u00e9 Poznan oder genau genommen vor dem Caf\u00e9 Poznan als die Wirtin, eine gro\u00dfe schreiend raus kommt. &#8222;Was macht ihr hier, ihr d\u00fcrft nicht da sein, es ist verboten, verboooten!!!&#8220; Wir sitzen auf einer Baum-Umrandung vor dem Tisch, an dem weitere Freundinnen trinken.<br><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Verst\u00f6rt gehen wir rein und doch wieder raus zu unserem Baum.<br>Marschschritte: die Wirtin erscheint wieder und schreit, br\u00fcllt und zittert vor Wut: was machen wir da, es ist verboten, wir sollen weg gehen, es ist verboten!! Ich verliere die Nerven, stehe auf und schreie ihr ins Gesicht: &#8222;Was soll die Schei\u00dfe, es ist nicht verboten, es ist ein \u00f6ffentlicher Ort, wir gehen nicht weg!&#8220; Be\u00e4ngstigt &#8211; oder nur genervt &#8211; geht sie wieder in ihre Kneipe und wir gehen zu einer anderen Kneipe.<br>Berlin ist ruppig und manchmal mehr.<br>Gestern war auch der 9. Mai, der Tag der Befreiung von der Naziherrschaft nach dem russischen \u201eKalender\u201c. Am 9. Mai findet jedes Jahr beim Sowjetischen Mahnmal im Treptower Park eine ehrliche Gedenkfeier statt. Es ist das einzige Mal des Jahres, wo das imposante Gel\u00e4nde mit seinen Alleen und riesigen Steinplatten, Treppen und schwindelerregenden Statuen von den Berlinern nach Lust und Laune zum Feiern benutzt wird. Zumindest nach den Kranzniederlegungen und dem Auftritt von manchmal nationalistischen russischen Ch\u00f6re. Dann sitzen kleine Gruppen, trinken, singen, spielen russische Musik. Hier eine Gruppe mit einer hervorragenden Tenorin, da entspannte Menschen mit Bier in der Hand, weiter weg ein Duo mit einer Art Dudelsack. Und dort l\u00e4uft ein Rotgardist vorbei!<br>Vor den Toren des Gel\u00e4ndes findet das Antifa-Volksfest statt. Im Halbkreis sind die Polit-, Fress- und Saufst\u00e4nde, vorne die B\u00fchne auf der jedes Jahr Leningrad 44 spielt, und in der Mitte die Tische und B\u00e4nke f\u00fcr die Wodkatrinkenden. Und die Stimmung ist heiter! Der Wodka flie\u00dft, irgendwie scheint jede.r jemand beim Wodkastand zu kennen. Man sieht viele bekannte Gesichter, alle gl\u00fccklich, dass wir heutzutage noch die Befreiung feiern k\u00f6nnen. Ab und zu werden Rechte und Arschl\u00f6scher am Kragen gepackt und vom Gel\u00e4nde rausgeschmiessen, und weiter wird gefeiert.<br>Und ich sitze da mit Freund*innen in dem erfreulichen Tumult. Ich versuche mitzuhalten, sie haben ja schon vor mir mit dem Trinken angefangen.<br>Und da, an dem Tisch vor uns, der gro\u00dfe muskul\u00f6se Rudi haut auf einen Typ. Heftige Faustschl\u00e4ge hin und her, zwei Tische samt Gl\u00e4ser, Flaschen und B\u00e4nke fallen um, der Typ, sichtlich unterlegen, haut ab.<br>&#8222;Rudi, bist du ok? Was ist denn passiert?&#8220; &#8220; Alles ok, aber meine Brille ist kaputt.&#8220; &#8222;Was ist denn passiert?&#8220; &#8222;Die haben die ganze Zeit unsere Zigaretten geklaut, das kann ich nicht leiden sowas&#8220;.<br>Alle feiern weiter, ein oder zwei Vermittlerpers\u00f6nlichkeiten reden mit den zwei verfeindeten Tischen, rundherum wird weiter getrunken und gelacht.<br>Um 22:00 m\u00fcssen wir den Platz r\u00e4umen, das Fest ist vorbei. Ich gehe noch mal zu Rudi:<br>&#8222;Alles ok? Du wirst bestimmt ganz sch\u00f6ne blauen Flecken bekommen&#8220;. &#8222;Nee, nee ich werde keine blauen Flecken haben. Wohnst du noch in deiner alten WG? Sag mal wir suchen einen Mitbewohner f\u00fcr unserer WG, wei\u00dft du vielleicht jemand?&#8220;<br>Ja es ist wohl Berlin, alles ein ziemlich ruppig und schon vergessen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem Jahr 2019 Berlin ist ruppig. Zum Beispiel, gestern Nacht im Caf\u00e9 Poznan. 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